Modellregion für Klimaneutrale Zementproduktion Erwitte / Geseke

Abschlusspräsentation mit NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur am 16. Februar 2024 in Erwitte

Städte Erwitte und Geseke sowie ein breites Projektkonsortium unter Leitung von Dr. Dirk Brexel veröffentlichen Ergebnisbericht des Initiierungsprojekts zur Dekarbonisierung der lokalen Zementregion. Studie zeigt Lösungsansätze zum Umgang mit CO2 auf.

Die Zementindustrie prägt die Region Erwitte/Geseke seit mehr als 100 Jahren. Große Flächen der
Stadtgebiete sind für den Kalksteinabbau vorgesehen, das Abbaumaterial besitzt eine außerordentlich gute Qualität und ist noch für Jahrzehnte zwischen Geseke und Erwitte verfügbar. Viele Menschen fanden und finden Arbeit im Bereich der Zementindustrie. Für die Zukunftsfähigkeit der Zementregion wird es darauf ankommen, die Zementherstellung klimaneutral auszurichten. Die Herausforderung besteht dabei vor allen Dingen darin, dass die Zementherstellung prozessbedingt mit hohen, am Ende unvermeidbaren Emissionen an CO2 einhergeht, deren Minderung angesichts des Klimaschutzes aber unerlässlich ist und damit letztlich endscheidend für die langfristige Sicherung der Standorte.

Vor diesem Hintergrund und eingebettet in die Carbon Management Strategie des Landes Nordrhein-
Westfalen hat das Projektkonsortium „Klimaneutrale Zementregion Erwitte/Geseke“ über einen Zeitraum von 15 Monaten untersucht, ob und wie die Zementproduktion vor Ort klimaneutral ausgerichtet werden kann. Die zentralen Lösungsansätze der Studie in Gestalt einer Machbarkeitsanalyse konnten nun in einem Bericht veröffentlicht werden. Der Leiter des Projektkonsortiums, Dr. Dirk Brexel erörterte die Inhalte der Studie und moderierte anschließend eine Podiumsdiskussion zu den Perspektiven. „Die Entwicklung einer CO2-neutralen Zementproduktion in der Region ist eine Herkulesaufgabe verbunden mit einem nicht kurzfristigen Realisierungszeitraum. Insbesondere die Verfügbarkeit von CO2-neutraler Elektrizität wird zum limitierenden Gestaltungsfaktor für die Dekarbonisierung der heimischen Zementindustrie“, resümiert Dirk Brexel.

Die Präsentation der Ergebnisse fand unter Anwesenheit von Mona Neubaur als Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie (MWIKE) und stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes NRW am Freitag, 16. Februar 2024, in der Erwitter Festhalle statt. Unter den Gästen waren auch die regionalen Abgeordneten des Deutschen Bundestages und Landtages NRW sowie zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus den Zementindustrieunternehmen in Geseke und Erwitte sowie des Dachverbandes der deutschen Zementindustrie VDZ.

NRW-Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur: „Wir wollen die klimaneutrale Transformation der Wirtschaft zum Gelingen bringen. Selbst wenn keine fossilen Energieträger mehr im Einsatz sind und alle Effizienz- und Innovationspotenziale ausgeschöpft, werden wir in einzelnen Bereichen noch beträchtliche Mengen an unvermeidbaren CO2-Emissionen haben, mit denen wir umgehen müssen. Hierfür hat die Landesregierung mit der Carbon Management Strategie NRW die nötigen Leitplanken gesetzt. Wie bei der Kalkindustrie und der Abfallwirtschaft geht es auch bei der Zementherstellung nicht ohne CCS und CCU. Wir freuen uns sehr, dass die Städte Erwitte und Geseke mit dem Projekt zur Klimaneutralen Zementproduktion den ersten Schritt zu einer klimaneutralen Transformation der Zementindustrie gegangen sind. Die Ergebnisse sind wegweisend für die Zukunft der Zementindustrie in Nordrhein-Westfalen“.

Zur Veranstaltung eingeladen hatten die Bürgermeister der beiden projekttragenden Kommunen Erwitte und Geseke, Hendrik Henneböhl und Remco van der Velden. Initiiert wurde das Projekt durch die beiden Stadtoberhäupter bereits im Herbst 2021, um den Herausforderungen der industriellen Transformation der Zementproduktion mit einem Projekt von überregionaler Bedeutung frühzeitig und weitsichtig begegnen zu können. Neben der globalen Aufgabe des Klimaschutzes stehen dabei auch die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Unternehmen und die Wahrung des industriellen Kerns als zentralem Element der wirtschaftlichen Wertschöpfung im Fokus. Die Initiierungsphase wurde durch die Landesregierung Nordrhein-Westfalen gefördert.

Erwittes Bürgermeister Hendrik Henneböhl bedankte sich bei Ministerin Neubaur für Ihren unterstützenden Besuch und allen Projektbeteiligten des Konsortiums. Zugleich greift er neben der ökonomischen Bedeutung auch die politische Dimension auf: „Wir haben als Region aktiv gesagt, dass wir dieses gemeinsame Modellprojekt wollen. Zusammen mit der Wirtschaft und mit einem klaren Mandat aus den beiden Räten. Ein klares Bekenntnis zur Wirtschaft und dem Klimaschutz. Nur die Vereinbarkeit von beiden Aspekten unter dem Rahmen der sozialen Marktwirtschaft unseres Landes kann uns weiterbringen!

Sein Geseker Amtskollege Remco van der Velden unterstreicht: „Die Produkte der Zementindustrie werden gebraucht – von renovierungsbedürftigen Autobahnbrücken bis zum Fundament für Windrä-der. Wir wollen zeigen, wie der vorgegebene Weg zu weniger CO2 gelingen kann und welche Infra-strukturinvestitionen hierzu notwendig sind. Die Umbaupläne der Zementindustrie für ihre Werke sind dabei nur ein Schritt, ebenso wichtig wird der Anschluss unserer Modellregion an die verschiedenen Pipelinenetze sein.

 

Zum Hintergrund: Modellregion für Klimaneutrale Zementproduktion Erwitte / Geseke
Die Zementregion hat einen fossilen CO2-Ausstoß von jährlich rund 2,5 Mio. Tonnen, wovon 2/3 aus dem im Kalkstein gebundenen Kohlenstoff stammen und bei der Verarbeitung zu Zementklinker unvermeidbar freigesetzt werden. Der technologische Pfad zur Entwicklung einer CO2-neutralen Zementproduktion führt daher notwendigerweise über eine energieintensive Abscheidung des CO2 aus dem Abgas der Anlagen, um es anschließend zu speichern oder einer weiteren Nutzung zuzuführen. Maßgeblich für die Wirtschaftlichkeit der in der vorliegenden Studie untersuchten und eingegrenzten technischen Optionen ist dann auch die Energieeffizienz der zugrunde liegenden chemischen oder physikalischen CO2-Abscheideverfahren. Um Klimaneutralität zu erreichen, ist zudem entscheidend, den Energieträger für die CO2-Abscheidung selbst CO2-frei in der erforderlichen Menge unter den regionalen Bedingungen bereitstellen zu können.

Gegenstand und Zielsetzung des Initiierungsprojektes ist die Entwicklung eines ganzheitlichen Konzepts zur Dekarbonisierung der heimischen Zementindustrie und eine Machbarkeitsanalyse für die Transformation der Region in diesen Zielzustand. Die Machbarkeit beinhaltet neben der technischen Umsetzbarkeit auch die ökonomische Sinnhaftigkeit und notwendige Veränderungen der politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Angestrebt wird darüber hinaus eine Einbettung der regionalen Transformation in die Carbon Management Strategie und in die Wasserstoff-Roadmap des Landes NRW.

Die Modellregion umfasst die beiden Kommunen Erwitte und Geseke, die fünf Zementhersteller mit Drehofenanlagen in Geseke und Erwitte, der Verein Deutscher Zementwerke als Dachverband der Zementindustrie sowie die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Soest und wird durch die Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz „Energy4Climate“ eng begleitet.

 

Machbarkeitsanalyse für die Dekarbonisierung der heimischen Zementindustrie

Foto: Stadt Erwitte

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Herr Christoph Koerdt, Pressesprecher der Stadt Erwitte, presse@erwitte.de, mobil 0151 599 27 896

Für inhaltliche Fragen zur Studie:
Herr Dr. Dirk Brexel, Projektleiter KNZR Erwitte / Geseke, wirtschaft@erwitte.de, mobil 0170 1751118